Was eine zusätzliche Tonspur auf YouTube bringt
Mit mehrsprachigen Audiospuren kann ein einziges YouTube-Video mehrere Tonfassungen haben. Wer Ihr Video aufruft, hört das Original, kann aber über das Zahnrad im Player eine andere Sprache wählen. Bild, Titel, Thumbnail und Link bleiben gleich, Aufrufe und Kommentare sammeln sich unter einem Video statt verteilt auf mehrere Uploads.
Für deutschsprachige Kanäle ist das in zwei Richtungen interessant. Wer auf Deutsch über Technik, Heimwerken, Kochen oder Finanzen spricht, erreicht mit einer englischen oder spanischen Tonspur ein viel größeres Publikum. Umgekehrt gibt es in Österreich, der Schweiz und Deutschland viele Kanäle, die auf Englisch produzieren, weil sie international starten wollten, und nun ihr Heimpublikum mit einer Tonspur auf Deutsch zurückgewinnen möchten. Eine ausführliche englische Einführung in die Funktion gibt der Beitrag YouTube multi-language audio (Englisch).
Voraussetzungen: Kanal, Rechte und die richtige Datei
Bevor Sie eine Tonspur produzieren, prüfen Sie drei Punkte:
- Freischaltung: YouTube hat mehrsprachige Audiospuren schrittweise für Kanäle eingeführt und ändert immer wieder, wer sie nutzen kann und wo die Option in YouTube Studio zu finden ist. Maßgeblich ist die aktuelle YouTube-Hilfe zu mehrsprachigen Audiospuren.
- Rechte: Tonspuren fügen Sie Ihren eigenen Videos hinzu. Enthält Ihr Video Fremdmaterial, etwa lizenzierte Musik oder Ausschnitte anderer Kanäle, klären Sie, ob Ihre Lizenz auch übersetzte Fassungen abdeckt. Fremde Videos zu übersetzen, setzt die Erlaubnis der Urheber voraus; mehr dazu im Artikel Translating someone else's video legally (Englisch).
- Die Ausgangsdatei: Verwenden Sie genau die Fassung, die auf YouTube online ist, also Ihren finalen Export oder die Datei, die Sie in YouTube Studio von Ihrem eigenen Video herunterladen. Haben Sie nach dem Export noch geschnitten, passt eine aus der alten Fassung erzeugte Tonspur nicht mehr.
mydubly arbeitet nur mit Dateien auf Ihrem Gerät. Einen YouTube-Link können Sie nicht einfügen.
Welche Sprache zuerst?
Statt aus dem Bauch heraus zu entscheiden, schauen Sie in YouTube Analytics nach, aus welchen Ländern Ihre Zuschauer schon heute kommen und in welcher Sprache Kommentare eintreffen. Ein Kanal aus Hamburg über Elektromobilität, der regelmäßig Kommentare auf Englisch und Türkisch bekommt, hat damit seine ersten beiden Kandidaten.
Für deutschsprachige Kanäle naheliegend sind Englisch, Spanisch, Portugiesisch (mit der Variante Portugiesisch (Brasilien) für ein brasilianisches Publikum), Türkisch und Polnisch. mydubly unterstützt 21 Sprachen. Starten Sie mit einer Sprache und einem Video, das dauerhaft Aufrufe sammelt, etwa einem Tutorial, statt mit dem tagesaktuellen Vlog.
Die Tonspur mit mydubly erzeugen
So entsteht die übersetzte Audiodatei im Browser:
- Öffnen Sie mydubly und ziehen Sie Ihr Video (MP4, MOV, WebM, MKV oder M4V, bis zwei Stunden) in das Feld „Drop a video here“.
- Schalten Sie „Full translation output“ ein.
- Wählen Sie unter „Select language“ die Zielsprache, zum Beispiel English oder German. Die Sprache Ihres Videos wird automatisch erkannt.
- Wählen Sie unter „Select voice“ eine der acht Stimmen. Der Dialog spielt von jeder Stimme eine kurze Probe in der Zielsprache ab; nehmen Sie sich dafür ein paar Minuten, denn die Stimme repräsentiert Ihren Kanal.
- Klicken Sie auf „Translate video“ und lassen Sie den Tab geöffnet, bis der Auftrag fertig ist.
- Laden Sie mit „Download translated audio“ die neue Tonspur als M4A-Datei herunter. Mit „Download subtitles“ erhalten Sie aus demselben Durchlauf die Untertitel in der Zielsprache als SRT, mit „Download translated video“ eine komplette Videofassung zur Kontrolle (meist MP4, in manchen Browsern MKV).
Die übersetzte Tonspur ist an das Timing des Originals angepasst, die Sätze stehen also ungefähr dort, wo sie im Original gesprochen werden. Musik und Geräusche bleiben erhalten: Eine KI-Stimmtrennung entfernt die Originalstimme, und die übersetzte Stimme wird über den verbleibenden Hintergrund gemischt, der automatisch leiser wird, während die neue Stimme spricht. Ihre Videodatei verlässt dabei nicht den Rechner; nur die Tonspur wird über HTTPS verarbeitet und innerhalb von 30 Minuten nach Abschluss vom Server gelöscht.
Ehrlich gesagt gibt es klare Grenzen: mydubly kann Ihre eigene Stimme nicht klonen, die Tonspur klingt also nach einer anderen Person. Es gibt keine Lippensynchronität, und das ganze Video wird mit einer Stimme gesprochen, auch bei zwei Moderatoren. Text im Bild bleibt in der Originalsprache. Einen direkten Upload zu YouTube gibt es nicht, und Titel und Beschreibung übersetzen Sie separat. Mehr über die Möglichkeiten der Vertonung lesen Sie auf der Seite KI-Synchronisation (Englisch).
Ein 14-minütiges Video über das Entkalken einer Espressomaschine soll eine englische und eine spanische Tonspur bekommen. Jede Sprachfassung kostet 14 × 50 = 700 Credits (US$ 0,70), beide zusammen 1.400 Credits (US$ 1,40). Die Untertitel beider Sprachen sind im selben Durchlauf enthalten. Die 100 Gratis-Credits zur Anmeldung decken genau die Mindestabrechnung von 100 Credits pro Datei, also eine Sprachfassung von bis zu zwei Minuten; für dieses Tutorial ist eine Aufladung nötig.
In YouTube Studio als Tonspur hinzufügen
Ist die Funktion für Ihren Kanal freigeschaltet, gehen Sie so vor:
- Öffnen Sie YouTube Studio und wählen Sie das Video aus.
- Gehen Sie in den Bereich für Sprachen beziehungsweise Untertitel. Legen Sie dort, falls noch nicht geschehen, die Originalsprache des Videos fest.
- Fügen Sie die Zielsprache hinzu und wählen Sie die Option zum Hochladen einer Synchronisation oder Audiospur. Die genaue Beschriftung kann sich ändern; halten Sie sich an die aktuelle YouTube-Hilfe.
- Laden Sie die M4A-Datei hoch. Akzeptiert YouTube das Format bei Ihnen nicht, wandeln Sie die Datei mit einem Audiowerkzeug Ihres Vertrauens in ein von YouTube genanntes Format um.
- Laden Sie für dieselbe Sprache die SRT-Datei als Untertitel hoch. So haben Zuschauer, die lieber lesen, ebenfalls eine Option.
- Übersetzen Sie Titel und Beschreibung. Hinweise dazu gibt der Artikel Translate YouTube titles and descriptions (Englisch).
Wenn Sie ein englischsprachiges Video mit einer Tonspur auf Deutsch versehen, denken Sie an die Anrede: Auf deutschsprachigem YouTube wird überwiegend geduzt. Prüfen Sie im übersetzten Transkript, ob die Maschine „Sie“ oder „du“ gewählt hat, und lesen Sie den Beitrag Du oder Sie in der Übersetzung, bevor Sie die Tonspur freigeben.
Synchronität prüfen, bevor Sie veröffentlichen
Eine fehlerhafte Tonspur ist auf YouTube nicht in einem Menü versteckt. Je nach Spracheinstellung hören manche Zuschauer sie automatisch. Sehen Sie sich deshalb die heruntergeladene MP4-Fassung vollständig an, bevor Sie die Tonspur hochladen, und achten Sie auf diese Punkte:
- Anfang: Setzt die übersetzte Stimme dort ein, wo im Original gesprochen wird, und nicht schon im Intro?
- Szenenwechsel: Läuft ein Satz deutlich in die nächste Szene hinein, wirkt das unprofessionell. Stichproben an harten Schnitten genügen meist.
- Ende: Ist die Tonspur so lang wie das Video, sodass nichts abgeschnitten wird?
- Musik und Geräusche: Hören Sie, ob Hintergrundmusik und Effekte des Originals in der neuen Fassung so klingen, wie Sie es möchten. Die Stimmtrennung ist nicht perfekt: In dichten oder lauten Mischungen können leise Reste der Originalstimme bleiben, der Hintergrund kann etwas dünner klingen, und gesungene Liedtexte werden zusammen mit der Sprache entfernt. Haben Sie Ihr Schnittprojekt, exportieren Sie optional eine Fassung nur mit Dialog und vertonen Sie diese: Die übersetzte Tonspur enthält dann praktisch nur die neue Stimme, die Sie im Schnittprogramm mit Ihrer sauberen Musikspur mischen. Das liefert das sauberste Ergebnis. Unter die heruntergeladene Tonspur einer normalen Vertonung gelegte Musik wäre dagegen doppelt, weil sie den Originalhintergrund schon enthält; der Artikel Background music in translated videos (Englisch) erklärt den Ablauf.
- Namen und Begriffe: Ein falsch übersetzter Markenname ist im Untertitel ein Tippfehler, in der Tonspur wird er laut ausgesprochen.
Laufen Bild und Ton auseinander, liegt das meist daran, dass die Tonspur aus einer anderen Schnittfassung erzeugt wurde als die, die online ist. Erzeugen Sie sie dann aus der veröffentlichten Datei neu. Weitere Ursachen beschreibt Syncing translated audio with video (Englisch).
Wenn die Funktion auf Ihrem Kanal fehlt
Nicht jeder Kanal sieht die Option für zusätzliche Audiospuren. Dann bleiben zwei Wege, die für alle Kanäle funktionieren. Erstens: Sie veröffentlichen die übersetzte Fassung als eigenes Video, die MP4-Datei aus „Download translated video“ eignet sich dafür direkt, und verlinken beide Videos gegenseitig in der Beschreibung. Zweitens: Sie laden nur die übersetzten Untertitel zum Original hoch. Das kostet im Transkripttarif nur 1 Credit pro Minute, ist schnell gemacht und erreicht Zuschauer, die mitlesen können. Wie Sie Untertitel für Ihr Video erzeugen, beschreibt der Beitrag Untertitel erstellen.
Ob ein zweiter Kanal pro Sprache sinnvoller ist als Tonspuren im Hauptkanal, hängt von Ihrer Strategie ab. Ein eigener Kanal erlaubt eigene Thumbnails und eine eigene Community, verlangt aber auch eigene Pflege.
Kleine Testphase statt Großprojekt
Fangen Sie mit einem einzigen, gut laufenden Tutorial und einer Sprache an. Beobachten Sie in YouTube Analytics über einige Wochen, wie viele Zuschauer die neue Tonspur nutzen und wie lange sie dranbleiben. Lesen Sie Kommentare in der Zielsprache, gerne mit Hilfe einer Kollegin oder eines Bekannten, der die Sprache spricht. Erst wenn die Reaktionen stimmen, lohnt es sich, ältere Videos nachzurüsten.
Für deutschsprachige Kanäle, die ein englisches Video auf Deutsch bringen wollen, gibt es den Beitrag englisches Video auf Deutsch übersetzen mit weiteren Hinweisen zur Zielsprache Deutsch.
Häufige Fragen
Kann jeder Kanal auf YouTube eine Tonspur hinzufügen?
Nein, YouTube schaltet mehrsprachige Audiospuren nicht für alle Kanäle frei und passt die Voraussetzungen immer wieder an. Ob Ihr Kanal die Option hat, sehen Sie in YouTube Studio; die aktuellen Bedingungen stehen in der YouTube-Hilfe. Ohne Freischaltung können Sie übersetzte Untertitel hochladen oder die Sprachfassung als eigenes Video veröffentlichen.
Kann ich einfach den YouTube-Link in mydubly einfügen?
Nein, mydubly arbeitet nur mit Dateien auf Ihrem Gerät. Verwenden Sie Ihren finalen Export oder laden Sie Ihr eigenes Video in YouTube Studio herunter. Wichtig ist, dass die Datei genau der veröffentlichten Fassung entspricht.
Klingt die Tonspur wie meine eigene Stimme?
Nein. mydubly bietet acht Standardstimmen und kein Stimmklonen. Hören Sie sich im Stimmauswahl-Dialog die Proben in der Zielsprache an und wählen Sie die Stimme, die am besten zu Ihrem Kanal passt. Viele Zuschauer schalten bei Bedarf ohnehin auf das Original zurück.
In welchem Format bekomme ich die Tonspur?
Die übersetzte Tonspur laden Sie über „Download translated audio“ als M4A-Datei herunter. Zusätzlich gibt es die Untertitel als SRT und eine komplette MP4-Fassung über „Download translated video“. Welche Audioformate YouTube für Tonspuren akzeptiert, steht in der YouTube-Hilfe.
Was kostet eine Tonspur für ein 20-minütiges Video?
Eine 20-minütige Sprachfassung kostet 1.000 Credits, also US$ 1,00 pro Sprache. Die Untertitel in der Zielsprache sind im selben Durchlauf enthalten. Abgerechnet wird pro angefangener Minute, mindestens 100 Credits pro Datei.
Warum ist meine Tonspur nicht synchron zum Video?
Meist wurde die Tonspur aus einer anderen Schnittfassung erzeugt als der, die auf YouTube online ist. Schon ein paar entfernte Sekunden am Anfang verschieben alles danach. Erzeugen Sie die Tonspur aus der exakt veröffentlichten Datei neu und prüfen Sie Anfang, Szenenwechsel und Ende.
Werden Einblendungen im Video mitübersetzt?
Nein, Text im Bild bleibt in der Originalsprache, weil das Bild bei einer zusätzlichen Tonspur für alle Sprachen gleich ist. Wenn Ihr Video stark mit Texteinblendungen arbeitet, ergänzen Sie übersetzte Untertitel oder sprechen wichtige Einblendungen im Original laut aus.
