Vorab: Datei und Rechte klären
Diese Anleitung richtet sich an alle, die ein englisches Video selbst produziert haben oder es übersetzen dürfen: das Produktdemo aus dem US-Mutterkonzern, die Aufzeichnung eines eigenen Vortrags auf einer internationalen Konferenz, ein Erklärvideo für den Onlineshop oder einen YouTube-Clip vom eigenen Kanal. Bei fremden Inhalten brauchen Sie die Erlaubnis der Rechteinhaber, bevor Sie eine deutsche Fassung erstellen oder gar veröffentlichen. Hintergründe dazu liefert unser englischer Beitrag zur Frage, wann man fremde Videos übersetzen darf (Englisch).
Technisch brauchen Sie die Videodatei auf Ihrem Gerät. Ein YouTube-Link genügt nicht, mydubly importiert keine URLs. Wenn das Video auf Ihrem eigenen Kanal liegt, laden Sie die Originaldatei aus Ihrem Archiv oder über die Download-Funktion von YouTube Studio herunter. Unterstützt werden MP4, MOV, WebM, MKV und M4V mit bis zu zwei Stunden Länge.
Untertitel, deutsche Stimme oder beides?
Das deutschsprachige Publikum ist durch Kino und Fernsehen stark an Synchronfassungen gewöhnt. Gleichzeitig schauen gerade jüngere Zuschauer englische Inhalte häufig im Original mit Untertiteln. Eine pauschal richtige Lösung gibt es nicht, aber klare Kriterien:
- Deutsche Untertitel
- Günstig, schnell zu korrigieren, Originalstimme bleibt erhalten; gut für Vorträge, Interviews und Inhalte mit starker Persönlichkeit
- Deutsche Tonspur
- Zuschauer müssen nicht mitlesen; sinnvoll für Schulungen, Anleitungen am Bildschirm, ältere Zielgruppen und Inhalte, die nebenbei gehört werden
- Beides
- Tonspur für den Komfort, Untertitel für Barrierefreiheit und stumm abgespielte Videos in sozialen Netzwerken
Stellen Sie sich zwei Fragen: Schaut das Publikum gleichzeitig auf etwas anderes, etwa auf eine Software-Oberfläche? Dann spricht viel für eine Tonspur. Lebt das Video von der Stimme und Ausstrahlung der Sprecherin? Dann sind Untertitel oft die ehrlichere Wahl. Eine ausführlichere Abwägung bietet der Leitfaden Untertitel oder Synchronisation (Englisch).
Schritt für Schritt zur deutschen Tonspur
Die Oberfläche von mydubly ist englisch beschriftet. So kommen Sie zur deutschen Fassung:
- Ziehen Sie die Videodatei in das Feld „Drop a video here“ auf der Startseite. Zum Ausprobieren gibt es auch „Use a sample clip“.
- Schalten Sie „Full translation output“ ein. Damit erzeugt mydubly neben Transkript und Untertiteln auch eine übersetzte Sprachspur.
- Die Ausgangssprache Englisch erkennt das Programm selbst, angezeigt als „Source: Auto detect“.
- Wählen Sie unter „Select language“ die Zielsprache German.
- Öffnen Sie „Select voice“. Für jede der acht Standardstimmen spielt der Dialog ein kurzes Hörbeispiel auf Deutsch ab. Hören Sie mehrere an, bevor Sie sich entscheiden, und achten Sie darauf, ob die Stimme zum Ton Ihres Videos passt.
- Klicken Sie auf „Translate video“. Lassen Sie den Browser-Tab geöffnet, bis der Auftrag abgeschlossen ist.
- Laden Sie mit „Download translated video“ das fertige Video herunter, meist als translated-video.mp4, in manchen Browsern als MKV. Zusätzlich gibt es „Download translated audio“ für die Tonspur als M4A-Datei sowie Transkript und Untertitel.
Die Videodatei bleibt während des gesamten Vorgangs in Ihrem Browser. Nur die herausgelöste Tonspur wird über HTTPS verarbeitet, und das übersetzte Video wird anschließend wieder im Browser zusammengesetzt. Mehr zum Funktionsumfang finden Sie auf der Seite Video-Übersetzer (Englisch).
Nur deutsche Untertitel: der günstige Weg
Wenn Ihnen Untertitel reichen, lassen Sie „Full translation output“ ausgeschaltet. Wählen Sie unter „Select language“ German und klicken Sie auf „Transcribe video“. Mit „Download subtitles“ erhalten Sie eine Datei namens subtitles.srt, die Sie in YouTube Studio oder ein Schnittprogramm laden können. Die SRT-Datei ist in UTF-8 mit BOM gespeichert, sodass Umlaute wie ä, ö, ü und das ß in gängigen Programmen korrekt erscheinen.
Ein großer Vorteil dieser Variante: Sie können jede Zeile in einem Texteditor oder einem Untertitelprogramm wie Subtitle Edit nachbessern, bevor Sie veröffentlichen. Wie Sie Untertitel sauber weiterverarbeiten, beschreibt der Artikel Untertitel erstellen.
Du oder Sie: die Anrede bewusst prüfen
Englisch kennt nur „you“. Im Deutschen müssen Sie sich entscheiden, und eine maschinelle Übersetzung trifft diese Entscheidung für Sie, nicht immer passend und nicht immer einheitlich. Ein B2B-Webinar für Steuerberater in der Sie-Form wirkt seriös; ein Gaming-Kanal oder eine Fitness-App, die siezt, wirkt steif. Umgekehrt kann ein duzendes Schulungsvideo in einem konservativen Unternehmen irritieren.
So gehen Sie vor:
- Legen Sie vorher fest, welche Anrede Ihre Marke im deutschsprachigen Raum nutzt. Viele Unternehmen haben dafür bereits eine Regel auf der Website oder im Newsletter.
- Lesen Sie das übersetzte Transkript vollständig und suchen Sie gezielt nach „du“, „dich“, „dein“ sowie „Sie“, „Ihnen“, „Ihr“. Mischformen fallen so sofort auf.
- In den Untertiteln können Sie Abweichungen direkt korrigieren. In der fertigen Tonspur geht das nicht, denn mydubly bietet keine Möglichkeit, die Übersetzung vor der Vertonung zu bearbeiten.
Wenn die Anrede in der deutschen Tonspur nicht passt, bleibt Ihnen ehrlicherweise nur, die Fassung so zu akzeptieren oder für dieses Video auf Untertitel auszuweichen. Gerade bei wichtigen Kundenvideos ist es sinnvoll, zuerst die günstige Untertitelvariante laufen zu lassen und die Übersetzung zu lesen, bevor Sie eine Tonspur bezahlen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie im Beitrag Du oder Sie in der Übersetzung.
Fachbegriffe, Anglizismen und Namen
Im deutschen Berufsalltag sind viele englische Begriffe längst etabliert: Meeting, Feedback, Deadline, Onboarding, Dashboard. Eine Übersetzung, die daraus „Besprechung“, „Rückmeldung“, „Frist“, „Einarbeitung“ und „Übersichtsseite“ macht, ist nicht falsch, klingt in einem Start-up aber fremd. In einer Behörde oder einem Handwerksbetrieb ist es oft genau umgekehrt.
Prüfen Sie besonders:
- Produktnamen und Funktionsbezeichnungen, die in Ihrer deutschen Software anders heißen als im englischen Original. Wenn der Button in der deutschen Oberfläche „Speichern“ heißt, sollte das Video nicht „Save“ übersetzen und gleichzeitig eine englische Oberfläche zeigen, ohne dass das erklärt wird.
- Maßeinheiten und Formate: Meilen, Fahrenheit oder amerikanische Datumsangaben übersetzt eine Maschine sprachlich, rechnet sie aber nicht um.
- Eigennamen von Personen und Firmen. Die KI-Stimme spricht manche Namen ungewohnt aus; im Untertitel lassen sie sich korrigieren, in der Tonspur nicht.
Weiterführend: Fachbegriffe und Namen übersetzen (Englisch).
Warum deutsche Sätze länger werden
Deutsche Übersetzungen fallen in aller Regel länger aus als der englische Ausgangstext. Komposita sparen zwar Wörter, aber Artikel, Nebensatzkonstruktionen und Verbklammern brauchen Platz. Bei einer Tonspur muss dieser längere Text in dieselbe Zeit passen, denn mydubly passt die deutsche Stimme an das Timing des Originals an. Wenn die englische Sprecherin ohnehin schnell redet, kann die deutsche Fassung an manchen Stellen gedrängt wirken.
Englisch: „Click here to save your changes.“ (6 Wörter) – Deutsch: „Klicken Sie hier, um Ihre Änderungen zu speichern.“ (8 Wörter). Was im Original zwei Sekunden dauert, braucht auf Deutsch spürbar mehr Silben im selben Zeitfenster.
Was hilft:
- Bei neuen Produktionen, die später übersetzt werden sollen, bewusst Pausen zwischen den Sätzen lassen und nicht ohne Atempause durchsprechen.
- Bei Untertiteln lange Zeilen kürzen. Untertitel müssen nicht wortgetreu sein, sondern lesbar.
- Kritische Passagen wie Preisangaben oder Sicherheitshinweise nach dem Export einmal komplett anhören.
Der englische Beitrag zur Textausdehnung in Übersetzungen (Englisch) erklärt das Phänomen genauer.
Was mydubly bei der deutschen Fassung nicht übernimmt
Damit Sie realistisch planen können, hier die Grenzen auf einen Blick:
- Ihre eigene Stimme wird nicht nachgebildet. Sie wählen eine der acht Standardstimmen.
- Die Lippen im Bild bewegen sich weiterhin passend zum Englischen; eine lippensynchrone Anpassung gibt es nicht.
- Alle Sprechenden im Video erhalten dieselbe Stimme, Sprecher werden nicht unterschieden.
- Eingeblendete Texte, Bauchbinden und Folien bleiben englisch.
- Untertitel werden nicht ins Bild eingebrannt, sondern als separate SRT-Datei geliefert.
- Emotion und Betonung lassen sich nicht steuern.
Für Interviews mit mehreren Personen ist deshalb oft eine Kombination aus Originalton und deutschen Untertiteln die bessere Lösung.
Was die deutsche Fassung kostet
mydubly rechnet mit vorausbezahlten Credits ab, ohne Abo, pro angefangener Minute. Für Transkript und Untertitel gilt 1 Credit pro Minute, mindestens 5 Credits pro Datei. Eine übersetzte Tonspur kostet 50 Credits pro Minute, mindestens zwei Minuten pro Datei.
Nur deutsche Untertitel: 10 Credits (US$ 0,01). Deutsche Tonspur inklusive Untertitel: 500 Credits (US$ 0,50). Die 100 Gratis-Credits nach der Registrierung reichen für die Untertitelvariante. Bei einer Vertonung decken sie genau die Mindestabrechnung von 100 Credits, also bis zu zwei Minuten; für die zehnminütige Tonspur laden Sie Guthaben auf.
Checkliste vor der Veröffentlichung
- Übersetztes Transkript einmal vollständig gelesen?
- Anrede durchgehend einheitlich?
- Produktnamen, Zahlen, Preise und Einheiten geprüft?
- Tonspur an kritischen Stellen angehört, insbesondere bei schnellen Passagen?
- Stimme passend zur Zielgruppe gewählt?
- Eingeblendete englische Texte im Video bewusst so belassen oder separat ersetzt?
- Wenn möglich, eine Muttersprachlerin aus der Zielgruppe gebeten, das Video einmal anzuschauen?
Wer die deutsche Tonspur zusätzlich als zweite Audiospur auf YouTube anbieten möchte, findet die Schritte im Artikel YouTube-Tonspur auf Deutsch hinzufügen.
Häufige Fragen
Kann ich einen YouTube-Link einfügen, um das Video auf Deutsch zu übersetzen?
Nein. mydubly arbeitet nur mit Dateien, die auf Ihrem Gerät liegen. Bei eigenen YouTube-Videos laden Sie die Originaldatei aus Ihrem Archiv oder aus YouTube Studio herunter. Fremde Videos sollten Sie nur mit Erlaubnis der Rechteinhaber übersetzen.
Klingt die deutsche Stimme wie ich?
Nein. mydubly bildet keine individuellen Stimmen nach, sondern bietet acht Standardstimmen, die mit dem quelloffenen Modell Chatterbox Multilingual erzeugt werden. Im Auswahldialog hören Sie zu jeder Stimme ein kurzes deutsches Beispiel und können so die passendste wählen.
Siezt oder duzt die Übersetzung?
Das entscheidet die maschinelle Übersetzung je nach Kontext, und sie bleibt dabei nicht immer einheitlich. Lesen Sie das übersetzte Transkript daraufhin durch. In Untertiteln korrigieren Sie Abweichungen selbst, in der fertigen Tonspur ist eine nachträgliche Änderung in mydubly nicht möglich.
Was kostet es, ein 30-minütiges englisches Video auf Deutsch zu vertonen?
Eine deutsche Tonspur kostet 50 Credits pro Minute, für 30 Minuten also 1.500 Credits, das entspricht 1,50 US-Dollar. Nur deutsche Untertitel für dieselbe Länge kosten 30 Credits. Abgerechnet wird ohne Abo über vorausbezahlte Credits.
Bleiben eingeblendete englische Texte im Video stehen?
Ja. mydubly übersetzt nur das Gesprochene, nicht Texte im Bild wie Bauchbinden, Folien oder Bildschirmoberflächen. Wenn diese wichtig sind, müssen Sie sie im Schnittprogramm ersetzen oder im gesprochenen Text erklären.
Kann ich die Übersetzung vor der Vertonung korrigieren?
Nein, eine Bearbeitungsfunktion für Transkript oder Übersetzung gibt es in mydubly nicht. Sie können aber zuerst die günstige Untertitelvariante mit deutscher Übersetzung erstellen, den Text prüfen und dann entscheiden, ob sich eine Tonspur lohnt. Die heruntergeladenen Untertitel und Transkripte bearbeiten Sie in jedem Texteditor.
