Anleitung

Untertitel übersetzen: neu aus der Tonspur oder die vorhandene SRT-Datei?

Untertitel übersetzen können Sie auf zwei Wegen: Entweder Sie übersetzen eine vorhandene Untertiteldatei Zeile für Zeile, oder Sie erzeugen aus der Tonspur des Videos neue Untertitel direkt in der Zielsprache. mydubly geht ausschließlich den zweiten Weg, es importiert keine SRT-Dateien. Welcher Weg besser ist, hängt davon ab, was Sie schon haben und wie gut es ist.

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Hinweis: Die Oberfläche von mydubly ist auf Englisch. Deutsche Aufnahmen transkribieren, ins Deutsche übersetzen und eine deutsche Stimme erzeugen funktioniert trotzdem – nur die Schaltflächen sind englisch beschriftet.

Zwei Ausgangslagen, zwei Werkzeugkästen

Wer nach „Untertitel übersetzen“ sucht, steckt meist in einer von zwei Situationen. Entweder liegt das Video vor, vielleicht sogar mit deutschen Untertiteln, und Sie brauchen eine englische, türkische oder polnische Fassung. Oder Sie haben nur eine SRT-Datei bekommen, etwa von einer Filmverleiherin oder aus einem Kursportal, und sollen den Text in eine andere Sprache bringen.

Diese beiden Fälle klingen ähnlich, verlangen aber unterschiedliche Werkzeuge. Im ersten Fall ist die Tonspur die Quelle, und die Untertiteldatei ist ein mögliches Zwischenprodukt. Im zweiten Fall ist die Datei selbst die Quelle, mit all ihren Zeitcodes, Zeilenumbrüchen und redaktionellen Entscheidungen. Bevor Sie ein Werkzeug wählen, lohnt deshalb die Frage: Was ist eigentlich mein Ausgangsmaterial, und wie viel Arbeit steckt schon darin?

Warum mydubly Untertitel neu erzeugt statt eine SRT zu übersetzen

mydubly hat keinen Import für Untertiteldateien. Es hört sich die Tonspur des Videos an, schreibt mit einer Spracherkennung auf Basis von Whisper mit, was gesagt wird, übersetzt diesen Text in die Zielsprache und setzt daraus eine neue SRT-Datei mit eigenen Zeitcodes zusammen. Eine vorhandene Untertiteldatei spielt dabei keine Rolle, selbst wenn sie im Video eingebettet ist.

Das hat Folgen in beide Richtungen. Positiv: Sie brauchen keine Ausgangsuntertitel, und Fehler einer schlechten Vorlage wandern nicht in die Übersetzung. Negativ: Alles, was eine sorgfältige Untertitlerin in die Originaldatei gesteckt hat, also Kürzungen, kluge Zeilenumbrüche und Geräuschbeschreibungen, geht verloren. Die neuen Untertitel geben wieder, was gesprochen wurde, nicht was jemand redaktionell daraus gemacht hat.

Beispiel: derselbe Moment, zwei Ergebnisse

In der deutschen Untertitelfassung für Hörgeschädigte steht „[Telefon klingelt] Ich geh schon!“. Wer diese Zeile übersetzt, erhält etwa „[Phone rings] I’ll get it!“. Wer neue Untertitel aus der Tonspur erzeugt, erhält nur „I’ll get it!“, denn das Klingeln ist kein gesprochenes Wort. Für ein allgemeines Publikum reicht das; für eine barrierefreie Fassung müssen Sie die Geräuschangabe von Hand ergänzen.

Wann der Weg über die Tonspur der bessere ist

Neue Untertitel aus dem Ton zu erzeugen, spielt seine Stärken vor allem in diesen Fällen aus:

  • Es gibt gar keine Untertitel, nur das Video. Dann ist dieser Weg ohnehin der einzige.
  • Die vorhandenen Untertitel sind automatisch erzeugt und fehlerhaft, zum Beispiel automatische Untertitel einer Plattform, die Sie nie korrigiert haben. Eine Übersetzung würde jeden Fehler übernehmen und neue hinzufügen.
  • Die Untertitel passen nicht mehr zum Schnitt. Wer ein Video gekürzt hat, ohne die Untertitel anzupassen, spart sich mit einer Neuerzeugung das mühsame Verschieben der Zeitcodes.
  • Sie brauchen mehrere Sprachen aus einem Original und wollen nicht über eine Zwischensprache gehen. Jede Zielsprache entsteht direkt aus dem Gesprochenen.
  • Sie wollen zusätzlich ein Transkript oder eine Sprachfassung. Beides entsteht aus derselben Tonspur, die Untertitel sind ein Nebenprodukt.

Wie Sie für ein Video zunächst Untertitel in der Originalsprache anlegen, erklärt der Beitrag Untertitel erstellen.

Wann Sie eine vorhandene SRT besser direkt übersetzen

Es gibt gute Gründe, die vorhandene Datei als Grundlage zu nehmen, und dann ist mydubly nicht das richtige Werkzeug:

  • Die Untertitel sind professionell bearbeitet, mit Kürzungen, Lesepausen und Absprachen mit einem Sender oder Festival. Diese Arbeit wollen Sie erhalten.
  • Die Datei enthält Informationen, die nicht im Ton stecken: Ortsangaben, Geräuschbeschreibungen, Liedtexte, die nur eingeblendet werden.
  • Die Tonspur ist schwierig, etwa durch laute Musik, Straßenlärm oder viele überlappende Stimmen. Eine Spracherkennung tut sich hier schwer, ein menschlich erstellter Untertiteltext nicht.
  • Sie haben nur die SRT-Datei und keinen Zugriff auf das Video.
  • Die Zeitcodes sind vorgegeben, zum Beispiel für eine Kinofassung, und dürfen sich nicht ändern.

Für diese Fälle übersetzen Sie den Text der Datei und lassen Nummern und Zeitcodes unangetastet. Untertitelprogramme wie Subtitle Edit oder Aegisub eignen sich dafür, weil Sie dort Zeile für Zeile arbeiten, während das Timing erhalten bleibt. Wer den Text in ein anderes Übersetzungswerkzeug kopiert, sollte nur die Textzeilen übertragen, denn Zeitcodes werden dabei leicht beschädigt. Bei Filmen mit Verleih- oder Festivalauflagen ist eine professionelle Untertitlerin oft die beste Investition. Beachten Sie außerdem: Untertitel eines fremden Werks zu übersetzen und zu veröffentlichen, setzt in der Regel die Erlaubnis der Rechteinhaber voraus.

Schritt für Schritt: übersetzte Untertitel aus der Tonspur

So erzeugen Sie mit mydubly Untertitel in einer anderen Sprache, hier am Beispiel eines deutschen Vortragsvideos, das englische Untertitel bekommen soll:

  1. Öffnen Sie mydubly im Browser und ziehen Sie das Video (MP4, MOV, WebM, MKV oder M4V, bis zwei Stunden) in das Feld „Drop a video here“. Eine reine Audiodatei gehört in „Drop audio here“.
  2. Lassen Sie „Full translation output“ ausgeschaltet. Für Untertitel brauchen Sie keine Sprachfassung, und die Abrechnung bleibt beim günstigen Transkripttarif.
  3. Wählen Sie unter „Select language“ die Zielsprache, hier English. Die Ausgangssprache wird automatisch erkannt („Source: Auto detect“) und lässt sich nicht von Hand einstellen.
  4. Klicken Sie auf „Transcribe video“ und lassen Sie den Tab geöffnet.
  5. Laden Sie mit „Download subtitles“ die Datei subtitles.srt herunter. Mit „Download transcript“ erhalten Sie zusätzlich den übersetzten Text als Fließtext.

Die SRT-Datei ist in UTF-8 mit BOM gespeichert, damit Umlaute und Sonderzeichen in den meisten Programmen richtig erscheinen. Jeder Sprechabschnitt wird zu einem einzeiligen Untertitel. Weitere Funktionen rund um Untertitel finden Sie auf der Seite Untertitel-Generator (Englisch).

Was mydubly dabei nicht kann: Es liest keine SRT- oder VTT-Datei ein, brennt keine Untertitel ins Bild ein und übersetzt keinen Text, der im Bild steht. Einen Editor für die Untertitel gibt es nicht; Korrekturen machen Sie in der heruntergeladenen Datei. Pro Durchlauf entsteht eine Zielsprache. Wenn Sie die Untertitel fest ins Video bringen möchten, hilft der Beitrag SRT-Datei in Video einfügen.

So sieht ein Eintrag in subtitles.srt aus

Eine Nummer (14), darunter der Zeitcode „00:01:12,480 --> 00:01:15,020“, darunter eine Zeile Text wie „We meet again tomorrow at eight at the main station.“ Genau diese Struktur erwarten Videoplayer und Plattformen. Wenn Sie korrigieren, ändern Sie nur die Textzeile.

Nachbearbeitung: Zeilenlänge, Lesetempo, Umlaute

Eine maschinell erzeugte Untertitelfassung ist ein Entwurf. Drei Punkte sollten Sie vor der Veröffentlichung prüfen:

  • Zeilenlänge: Weil jeder Sprechabschnitt ein einzeiliger Untertitel wird, entstehen bei langen Sätzen sehr lange Zeilen. Verbreitete Richtwerte liegen bei etwa 37 bis 42 Zeichen pro Zeile und höchstens zwei Zeilen. Teilen Sie lange Einträge an Sinngrenzen; der Artikel über Subtitle segmentation (Englisch) zeigt, wie.
  • Lesetempo: Übersetzungen ins Deutsche werden oft länger als das englische Original. Was auf Englisch bequem lesbar war, kann auf Deutsch zu schnell durchlaufen. Kürzen Sie, statt die Anzeigedauer über den nächsten Satz hinaus zu verlängern.
  • Zeichensatz: Erscheinen statt „ä“ seltsame Zeichen wie „ä“, liest der Player die Datei mit einer falschen Kodierung. Die Ursachen und Lösungen beschreibt der Beitrag über seltsame Zeichen in Untertiteln (Englisch).

Prüfen Sie außerdem Namen, Zahlen und die Anrede. Ob ein englisches „you“ im deutschen Untertitel zu „du“ oder „Sie“ wird, entscheidet die Maschine nicht immer so, wie es zur Szene passt.

Kosten und Aufwand realistisch einschätzen

Übersetzte Untertitel werden im Transkripttarif abgerechnet: 1 Credit pro angefangener Minute, mindestens 5 Credits pro Datei. Ein 90-minütiger Spielfilm kostet damit 90 Credits (US$ 0,09), ein dreiminütiger Imagefilm 5 Credits, weil die Mindestabrechnung greift. Die 100 Gratis-Credits bei der Anmeldung reichen für bis zu 100 Minuten Material.

Der größere Posten ist Ihre Zeit für die Kontrolle. Für einen einstündigen Vortrag sollten Sie mindestens die Laufzeit selbst einplanen, besser das Doppelte, wenn Sie Zeilen kürzen und teilen. Bei einer vorhandenen, guten SRT-Datei kann die direkte Übersetzung insgesamt weniger Arbeit machen, weil Segmentierung und Timing schon stimmen. Genau diese Abwägung entscheidet, welcher Weg sich lohnt.

Entscheidungshilfe auf einen Blick

Kein Untertitel vorhanden
Neu aus der Tonspur erzeugen
Automatische, unkorrigierte Untertitel
Neu aus der Tonspur erzeugen
Professionelle Untertitel mit Geräuschangaben
Vorhandene SRT direkt übersetzen
Nur die SRT-Datei, kein Video
Vorhandene SRT direkt übersetzen
Sehr laute oder überlappende Tonspur
Vorhandene SRT direkt übersetzen, falls vorhanden
Zusätzlich Transkript oder Sprachfassung gewünscht
Neu aus der Tonspur erzeugen

Wer ein englisches Video nicht nur untertiteln, sondern komplett auf Deutsch vertonen möchte, findet im Beitrag englisches Video auf Deutsch übersetzen den passenden Ablauf.

Häufige Fragen

Kann ich eine SRT-Datei bei mydubly hochladen und übersetzen lassen?

Nein. mydubly importiert keine Untertiteldateien. Es erzeugt neue Untertitel in der Zielsprache aus der Tonspur eines Videos oder einer Audiodatei. Wenn Sie nur die SRT-Datei haben, übersetzen Sie deren Text mit einem Untertitelprogramm oder lassen ihn professionell übersetzen.

Bleiben die Zeitcodes meiner alten Untertitel erhalten?

Nein, die neuen Untertitel bekommen eigene Zeitcodes, die aus der Sprache in der Tonspur abgeleitet werden. Die alte Datei wird nicht berücksichtigt. Wenn die Zeitcodes vorgegeben sind, etwa für eine Festivalfassung, ist die direkte Übersetzung der vorhandenen Datei der richtige Weg.

Bekomme ich auch eine VTT-Datei?

Ja. Neben „Download subtitles“ für die SRT-Datei gibt es eine eigene Schaltfläche „Download VTT“. Beide Dateien enthalten dieselben Untertitel; inhaltlich unterscheiden sich die beiden Formate bei einfachen Untertiteln kaum.

Werden eingeblendete Texte im Video mitübersetzt?

Nein. Übersetzt wird nur, was gesprochen wird. Bauchbinden, Folien oder Schilder im Bild bleiben unberücksichtigt. Wichtige Einblendungen können Sie als zusätzliche Untertitel von Hand in die SRT-Datei eintragen.

Was kosten übersetzte Untertitel für ein 20-minütiges Video?

20 Minuten kosten im Transkripttarif 20 Credits, das sind US$ 0,02. Abgerechnet wird pro angefangener Minute, mindestens 5 Credits pro Datei. Mit den 100 Gratis-Credits zur Anmeldung können Sie das also problemlos ausprobieren.

Sind die Untertitel direkt ins Video eingebrannt?

Nein, Sie erhalten eine separate SRT-Datei. Die können Sie auf Plattformen wie YouTube hochladen oder in Playern wie VLC zuschalten. Wer fest eingebrannte Untertitel braucht, erledigt das mit einem Schnittprogramm wie DaVinci Resolve oder Premiere Pro.