Anwendungsfall

Schulungsvideos übersetzen: Unterweisungen für eine mehrsprachige Belegschaft

Wer Schulungsvideos übersetzen will, damit auch Beschäftigte mit wenig Deutschkenntnissen eine Unterweisung wirklich verstehen, braucht drei Dinge: die passende Ausgabeform (Untertitel oder Sprachfassung), ein kurzes Glossar mit den betrieblichen Fachbegriffen und eine Kollegin oder einen Kollegen, der das Ergebnis in der Zielsprache prüft. Die maschinelle Übersetzung ist der schnellste Teil der Arbeit.

7 Min. Lesezeit · Aktualisiert

Hinweis: Die Oberfläche von mydubly ist auf Englisch. Deutsche Aufnahmen transkribieren, ins Deutsche übersetzen und eine deutsche Stimme erzeugen funktioniert trotzdem – nur die Schaltflächen sind englisch beschriftet.

Wenn in der Halle nicht nur Deutsch gesprochen wird

In vielen Lagern, Produktionsbetrieben, Reinigungsfirmen und Pflegeeinrichtungen arbeiten Menschen, deren Erstsprache Türkisch, Polnisch, Arabisch oder Russisch ist. Im Alltag funktioniert die Verständigung oft erstaunlich gut, mit Gesten, Kollegen als Dolmetscher und dem Fachwortschatz, den man sich schnell aneignet. Bei einer Sicherheitsunterweisung reicht das aber nicht. Wer den Unterschied zwischen „Not-Aus drücken“ und „Störung melden“ nur ungefähr versteht, ist im Ernstfall gefährdet.

Der Arbeitgeber muss seine Beschäftigten unterweisen, und die Unterweisung muss so erfolgen, dass sie verstanden wird. Die Unfallversicherungsträger erwarten zudem, dass sie regelmäßig wiederholt und dokumentiert wird. Ein deutsches Schulungsvideo, das in der Pause abgespielt wird und das die Hälfte der Schicht nur halb versteht, erfüllt diesen Zweck nicht. Ob und wie weit Ihr Betrieb rechtlich verpflichtet ist, Unterweisungen in anderen Sprachen anzubieten, klären Sie mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Ihrer Berufsgenossenschaft. Dieser Artikel beschreibt, wie die Übersetzung praktisch gelingt.

Welche Sprachen abgedeckt sind und welche nicht

Bevor Sie planen, lohnt ein ehrlicher Abgleich zwischen den Sprachen Ihrer Belegschaft und den Sprachen, die mydubly verarbeitet. mydubly unterstützt 21 Sprachen in jede Richtung. Für typische deutsche Betriebe sieht das so aus:

Unterstützt
Türkisch, Polnisch, Arabisch (Hocharabisch, keine einzelnen Dialekte), Russisch, Tschechisch, Vietnamesisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Englisch, Niederländisch, Hindi
Nicht unterstützt
Ukrainisch, Rumänisch, Bulgarisch, Kroatisch, Serbisch, Bosnisch, Albanisch, Ungarisch, Griechisch, Persisch, Kurdisch, Tigrinya

Gerade die zweite Zeile ist wichtig. Für Beschäftigte aus der Ukraine einfach eine russische Fassung bereitzustellen, ist keine neutrale technische Entscheidung; viele werden das ablehnen. Fragen Sie nach, statt anzunehmen. Für nicht unterstützte Sprachen bleibt die klassische Lösung: eine Übersetzung durch Fachleute oder eine Unterweisung mit Dolmetscher. Bei Vietnamesisch empfehlen wir, mit Untertiteln zu beginnen und die Stimmprobe im Stimmauswahl-Dialog anzuhören, bevor Sie eine vertonte Fassung bezahlen.

Untertitel oder Sprachfassung: Entscheidung nach Einsatzort

Welche Form passt, hängt weniger vom Geschmack ab als davon, wo und von wem das Video gesehen wird:

  • Sprachfassung, wenn die Zuschauer auf eine Maschine, ein Fahrzeug oder einen Handgriff schauen sollen, statt Text zu lesen. Das typische Beispiel ist ein Video zur Bedienung eines Gabelstaplers oder zum richtigen Heben.
  • Sprachfassung, wenn Sie nicht sicher sein können, dass alle in ihrer Erstsprache flüssig lesen. Das betrifft nicht nur Menschen mit wenig Schulbildung, sondern auch solche, die ihre Muttersprache in einer anderen Schrift gelernt haben als der, in der die Untertitel erscheinen.
  • Untertitel, wenn das Video am Schreibtisch oder in einer E-Learning-Plattform läuft, etwa eine Compliance- oder Datenschutzschulung.
  • Untertitel, wenn mehrere Personen im Video sprechen, zum Beispiel ein Ausbilder und eine Auszubildende im Dialog. Die Sprachfassung verwendet eine einzige Stimme für alle.
  • Beides, wenn Sie in einer Schulungsrunde mit gemischten Gruppen arbeiten: Ton auf Türkisch, Untertitel auf Deutsch zum Mitlernen.

Eine ausführliche Abwägung der beiden Formen bietet der Leitfaden Subtitles vs. dubbing (Englisch). Wie gut KI-Stimmen heute klingen und wo sie an Grenzen stoßen, beschreibt der Beitrag KI-Synchronisation.

Das Glossar: Fachbegriffe festlegen, bevor übersetzt wird

Jeder Betrieb hat seinen eigenen Wortschatz: Hubwagen, Kommissionierung, PSA, Sammelplatz, Schichtübergabe, der „Käfig“ für die Gefahrstoffe. Eine maschinelle Übersetzung kennt Ihre Hausbegriffe nicht und übersetzt sie wörtlich oder rät. Legen Sie deshalb vor dem ersten Durchlauf ein Glossar an, eine einfache Tabelle in Excel genügt: deutscher Begriff, kurze Erklärung, freigegebene Übersetzung je Sprache. mydubly selbst hat keine Glossarfunktion. Das Glossar ist das Werkzeug für die Prüferinnen und Prüfer, die das Ergebnis kontrollieren und korrigieren.

Zwei Tipps machen das Glossar wirksamer:

  • Sprechen Sie Fachbegriffe im Originalvideo deutlich aus und erklären Sie Abkürzungen beim ersten Auftreten: „PSA, also Ihre persönliche Schutzausrüstung“. Was im Ton klar ist, wird auch klarer übersetzt.
  • Halten Sie fest, was nicht übersetzt wird. Firmennamen, Maschinentypen oder Bereichsbezeichnungen wie „Halle 4“ bleiben in jeder Sprache gleich, damit die Beschilderung im Werk weiter passt.

Wie man ein solches Regelwerk aufbaut, beschreibt der Artikel über einen Übersetzungs-Styleguide (Englisch).

So übersetzen Sie ein Schulungsvideo mit mydubly

mydubly läuft im Browser, ohne Installation. Für ein Schulungsvideo gehen Sie so vor:

  1. Ziehen Sie die Videodatei (MP4, MOV, WebM, MKV oder M4V, bis zwei Stunden) in das Feld „Drop a video here“.
  2. Für Untertitel lassen Sie den Schalter „Full translation output“ aus und wählen unter „Select language“ die Zielsprache, etwa Polnisch. Für eine Sprachfassung schalten Sie „Full translation output“ ein, wählen unter „Select language“ die Zielsprache und unter „Select voice“ eine der acht Stimmen. Der Dialog spielt von jeder Stimme eine kurze Probe in der gewählten Sprache ab.
  3. Die Ausgangssprache Deutsch wird automatisch erkannt. Starten Sie mit „Transcribe video“ (Untertitel) oder „Translate video“ (Sprachfassung) und lassen Sie den Tab geöffnet.
  4. Laden Sie die Ergebnisse herunter: „Download subtitles“ liefert eine SRT-Datei, „Download translated video“ das vertonte Video als MP4, „Download translated audio“ nur die neue Tonspur, also die übersetzte Stimme über Musik und Geräuschen des Originals.
  5. Wiederholen Sie den Durchlauf für jede weitere Sprache. Pro Auftrag gibt es eine Zielsprache.

Die Videodatei verlässt dabei Ihren Rechner nicht; der Browser trennt die Tonspur ab und schickt nur diese über HTTPS zur Verarbeitung. Audio und Ergebnisse werden innerhalb von 30 Minuten nach Abschluss vom Server gelöscht. Ob Sie interne Schulungsinhalte so verarbeiten dürfen, entscheidet trotzdem Ihr Unternehmen.

Die Grenzen sollten Sie kennen, bevor Sie loslegen. Text im Bild, etwa eingeblendete Warnhinweise, Folien oder Beschriftungen, übersetzt mydubly nicht; lassen Sie solche Inhalte im Video vorlesen oder übersetzen Sie Folien separat. Untertitel werden nicht ins Bild eingebrannt, Sie erhalten eine SRT-Datei. Wie Sie diese mit einem Videoschnittprogramm ins Video bringen, erklärt SRT-Datei in Video einfügen. Es gibt kein Stimmklonen und keine Lippensynchronität: Der Ausbilder spricht in der polnischen Fassung mit einer Standardstimme, und die Lippenbewegungen passen nicht. Für Unterweisungsvideos ist das meist unproblematisch, für ein Begrüßungsvideo der Geschäftsführung vielleicht nicht. Mehr zum Gesamtprozess finden Sie auf der Seite zur Videolokalisierung (Englisch).

Prüfung durch Muttersprachler im Betrieb

Kein Schulungsvideo sollte ungeprüft in die Unterweisung gehen. Die beste Prüferin ist oft schon im Haus: die Schichtleiterin, die Polnisch spricht, der Lagerist, der zweisprachig in Duisburg aufgewachsen ist. Rechnen Sie diese Arbeit als Arbeitszeit an und geben Sie eine klare Checkliste mit:

  1. Fachbegriffe gegen das Glossar prüfen.
  2. Zahlen kontrollieren: Lasten in Kilogramm, Abstände in Metern, Fristen, Telefonnummern.
  3. Verneinungen besonders beachten. Ein verlorenes „nicht“ in „Nicht unter schwebende Lasten treten“ verkehrt die Anweisung ins Gegenteil.
  4. Anrede festlegen: Im Türkischen, Polnischen und Russischen gibt es wie im Deutschen eine vertraute und eine höfliche Form. Entscheiden Sie bewusst, welche zum Betrieb passt; der Beitrag Du oder Sie in der Übersetzung hilft dabei.
  5. Bei Sprachfassungen anhören, ob Namen und Abkürzungen verständlich ausgesprochen werden.

Korrekturen an Untertiteln nehmen Sie direkt in der SRT-Datei vor, mit einem Texteditor oder einem Programm wie Subtitle Edit. Bei der Sprachfassung lässt sich der gesprochene Text nicht nachträglich im Werkzeug ändern. Ist ein Satz falsch, korrigieren Sie die Aussage im Originalvideo oder ergänzen den Hinweis in der Präsenzunterweisung. Mehr zur Suche nach geeigneten Prüfern steht im Artikel Finding a reviewer for AI translation (Englisch).

Rechenbeispiel: ein Unterweisungsvideo in vier Sprachen

Rechenbeispiel: 12-minütige Staplerunterweisung

Ein Logistikbetrieb möchte sein 12-minütiges Video auf Türkisch, Polnisch, Arabisch und Russisch anbieten. Als Sprachfassung kostet jede Sprache 12 × 50 = 600 Credits (US$ 0,60), zusammen also 2.400 Credits (US$ 2,40). Als Untertitel kostet jede Sprache 12 Credits, zusammen 48 Credits und damit weniger als fünf US-Cent. Der eigentliche Aufwand ist die Prüfung: Rechnen Sie pro Sprache mit einer konzentrierten Stunde Arbeitszeit für eine Kollegin oder einen Kollegen.

Abgerechnet wird pro angefangener Minute. Für Sprachfassungen gilt eine Mindestabrechnung von zwei Minuten, also 100 Credits pro Datei; bei Untertiteln sind es mindestens 5 Credits. Die 100 Gratis-Credits bei der Anmeldung reichen, um Untertitel in allen vier Sprachen zu testen. Alternativ decken sie eine einzelne Sprachfassung von bis zu zwei Minuten ab; längere Sprachfassungen erfordern zusätzliches Guthaben. Guthaben wird im Voraus aufgeladen, ein Abo gibt es nicht.

Die Unterweisung bleibt Ihre Aufgabe

Ein übersetztes Video ist ein Hilfsmittel, keine Unterweisung. Planen Sie danach eine kurze Verständniskontrolle ein: drei, vier Fragen, die die Teilnehmenden mündlich oder per Bildkarte beantworten, oder eine praktische Vorführung am Arbeitsplatz. Dokumentieren Sie, wer welche Sprachfassung gesehen hat, und vermerken Sie das Datum, an dem die Übersetzung geprüft wurde. Wenn sich Abläufe ändern, aktualisieren Sie zuerst das deutsche Original und erzeugen dann die Sprachfassungen neu, statt alte Fassungen zu flicken. Weitere Anregungen für interne Videos bietet der Beitrag Translating internal company videos (Englisch).

Häufige Fragen

Kann mydubly Schulungsvideos ins Ukrainische übersetzen?

Nein, Ukrainisch gehört nicht zu den unterstützten Sprachen. Eine russische Fassung ist kein selbstverständlicher Ersatz; fragen Sie die betroffenen Beschäftigten, was für sie verständlich und akzeptabel ist. Für Ukrainisch bleiben eine professionelle Übersetzung oder eine Unterweisung mit Dolmetscher.

Ersetzt ein übersetztes Video die Sicherheitsunterweisung?

Nein. Das Video unterstützt die Unterweisung, ersetzt aber weder die Verständniskontrolle noch die Dokumentation. Welche Form Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse erwartet, klären Sie am besten mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.

Klingt die Sprachfassung wie unser Ausbilder?

Nein. mydubly bietet acht Standardstimmen und kein Stimmklonen. Sie können sich im Stimmauswahl-Dialog eine Probe jeder Stimme in der Zielsprache anhören und die passendste wählen. Die Lippenbewegungen im Bild passen nicht zur neuen Tonspur.

Werden Warnhinweise und Folien im Video mitübersetzt?

Nein, Text im Bild wird nicht übersetzt, nur das Gesprochene. Lassen Sie wichtige Einblendungen im Video laut vorlesen, dann landen sie in der Übersetzung. Alternativ übersetzen Sie Folien separat und verteilen sie als Handout.

Wie bekommen wir die Untertitel ins Video oder in unsere Lernplattform?

mydubly liefert eine SRT-Datei. Viele Videoplayer und Lernplattformen können SRT-Dateien als zuschaltbare Untertitel einbinden; ob Ihre das kann, steht in deren Hilfe. Wenn die Untertitel fest ins Bild sollen, brennen Sie sie mit einem Schnittprogramm wie DaVinci Resolve oder Premiere Pro ein.

Was kostet ein zehnminütiges Schulungsvideo als Sprachfassung?

Zehn Minuten Sprachfassung kosten 500 Credits, also US$ 0,50 pro Zielsprache. Für vier Sprachen sind es 2.000 Credits oder US$ 2,00. Untertitel für dasselbe Video kosten nur 10 Credits pro Sprache.

Können zwei Personen im Video unterschiedliche Stimmen bekommen?

Nein, die Sprachfassung verwendet eine Stimme für das gesamte Video, und Sprecher werden nicht automatisch unterschieden. Für Dialogszenen mit mehreren Personen sind Untertitel deshalb oft die verständlichere Wahl.